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Mai 19

EntwicklungNach dem ich mich letztens über verschiedene ethische Ansätze zum lösen eines moralischen Problems oder einer ausstehenden moralischen Entscheidung ausgelassen habe will ich die Thematik Moral auch aus einem weiteren und etwas andern Blickwinkel angehen. Nämlich aus dem Psychologischen.

Anfangen will ich logischerweise auch am Anfang. Also bei der moralischen Entwicklung. Heute will ich erstmal Kohlbergs Forschungsergebnisse und dessen Stufeneinteilung der moralischen Entwicklung (die Kohlberg berühmt gemacht haben) vorstellen, kurz erklären und wieder an einem Dilemma aufzeigen.

Aber erstmal ein paar Worte zu Lawrence Kohlberg selbst. Er hat von 1927 bis 1987 in den Vereinigten Staaten gelebt und als Psychologe und Professor für Erziehungswissenschaft an der Harvard University gearbeitet.

Wie eben schon erwähnt hat Kohlberg die moralische Entwicklung des Menschen in 3 Ebenen zu je 2 Stufen eingeteilt.

Die unterste (oder erste) ebene ist die präkonventionelle Ebene der Moral. Diese Ebene stellt die Entwicklungsebene von den meisten Kindern bis 9 Jahren da. Jedoch muss man hier bedenken das wenn man sich auch einer höheren Stufe befindet immer noch nach einer niedrigeren Handeln und Entscheiden kann und ich denke auch oft tut.

Die präkonventionelle Ebene wird aus der 1. und 2. Stufe gebildet, die sich so definieren:

1. Stufe:

  • Eine heteronome (fremdbestimmte) Moral
  • Orientierung an Belohnung und Strafe (Lust-Schmerz-Orientierung)

2. Stufe:

  • Entwicklung eines Individualismus
  • Orientierung an dem Eigennutzen, dem hedonistischen Prinzip einer Handlung (Kosten-Nutzen-Orientierung)

Die erste Stufe erinnert ein bisschen an die Erziehung eines Hundes: „Bekomm ich ein Leckerli ist es Richtig, bekomm ich auf die Nase ist es Falsch“. Die zweite Stufe äußert sich meistens in einem naivem Egoismus: „Wie du mir so ich dir“ oder „Eine Hand wäscht die andere Hand“.

Die nächste Ebene ist die konventionelle Moral. Auf der stehen Jugendliche und die meisten der Erwachsenen und ist damit die am meisten verbreitete Entwicklungsebene. Die konventionelle Ebene setzt sich aus den Stufen 3 und 4 zusammen:

3. Stufe:

  • Erste Erwartungen, Sorgen und Vorstellungen über andere Personen aus der Kleingruppe (wie dem Freundeskreis, der Familie oder der Peer-Group)
  • Man will Erwartungen erfüllen und von der Kleingruppe gesetzte Regeln einhalten, nett und gut sein

4. Stufe:

  • Orientierung am sozialen Systems, Gesetzen und gesellschaftlichen Regeln (Recht-und-Ordnung-Orientierung)
  • Handelt nach Regeln für das (vermeintliche) Wohlergehen der Gesellschaft

Die dritte Stufe ist vor allen bei Jugendlichen zu finden. Es ist richtig um die Häuser zu zeihen, zu trinken, zu rauchen und andere „Jugenddummheiten“ zu machen, solange es von dem Freundeskreis als richtig anerkannt wird. Die 4. und verbreiteteste Stufe Orientiert sich meistens an den Gesetzen und nur an den Gesetzen. Hier wird alles was gesetzlich erlaubt ist auch als moralisch richtig anerkannt.

Die präkonventionelle und die konventionelle Ebene orientieren sich beide an Autoritäten oder heterobestimmten Moralvorstellungen. Man lernt was richtig oder falsch ist und erschließt es sich nicht selbst.

In diesem Punkt unterscheidet sich die postkonventionelle Moralebene, die laut Kohlberg nur von wenigen Erwachsenen über 20 erreicht wird und in der Gesellschaft am wenigsten verbreitet ist, von den vorhergehenden Ebenen. In dieser orientiert sich die eigene Moralvorstellung nicht an Autoritäten sondern an sich selbst. Man leitet sich richtig und falsch von bestehenden Werten her. Unterschieden wird auf der postkonventionellen Ebene zwischen der Stufe 5 und 6:

5. Stufe:

  • Orientierung an verfassungsgemäßen, demokratischen Werten. (Sozialvertrag)
  • Einsatz für die Gemeinschaft

6. Stufe:

  • Orientierung an universellen ethischen und moralischen Prinzipien (10 Gebote, der kategorische Imperativ Kants)
  • Regeln hinterfragen und diese als richtig anerkennen und daher akzepteiren

Die Unterscheidung zwischen 5. und 6. Stunde ist meist sehr schwierig da der Unterschied zwischen den Werten an denen man sich orientiert schwer zu definieren ist. Bei der 6. Stufe darf man jedoch nicht annehmen das jemand der die 10 Gebote befolgt sich auf dieser Stufe befindet. Hinterfragt man diese nicht, sondern nimmt sie als allgemein gültige unfragliche Gesetze, ist dies Moralstufe 4.

Wie eine Argumentation auf den einzelnen Ebenen aussehen könnte möchte ich kurz an einem weitern Dilemma zeigen. Dieses mal jedoch nicht an dem Heinz-Dilemma sondern an dem Euthanasie-Dilemma. Hier noch mal eine kurze Erklärung worum es dabei geht:

Eine Frau hat Krebs, mit keinerlei Heilungs- und Rettungsmöglichkeiten. Die hat auf Grund ihrer Krankheit schlimme Schmerzen und ist so geschwächt das sie schon die höchst mögliche Schmerzmitteldosis erhält. In einer Phase relativer Besserung bittet sie nun den behandelten Arzt, ihre Schmerzmitteldosis so zu erhöhen, dass sie stirbt. Sie begründet dies damit dass sie die Schmerzen nicht mehr ertragen könne und ohnehin in einigen Wochen sterben würde. Wie soll er handeln?

Da dies ein sehr heikles Thema ist werde ich jetzt auf jeder Moralstufe ein Argument nennen das für und eins das gegen die Euthanasie spricht. Diese Argumentationen sollen nicht meine eigene Meinung, korrekte Fakten oder eine objektive Stellung darstellen, sondern alleine auf meist eine etwas überspitze Art die einzelnen Stufen darstellen.

1. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, da er nur tun würde worum die Frau ihn gebeten hat. Er braucht sich deshalb um die Konsequenzen keine Sorgen machen.
  • Die Dosis nicht erhöhen, da sich der Arzt damit eine Menge Unannehmlichkeiten zuziehen kann. Andere sind dafür schon schwer bestraft worden.

2. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, da die Frau ohnehin gestorben wäre und es für den Arzt wenig Mühe bedeuten würde, ihr eine größere Dosis zu verabreichen.
  • Die Dosis nicht erhöhen, weil er es wesendlich leichter hat könnte wenn er wartet und nicht in das Leben der Frau eingreift.

3. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, weil vermutlich die meisten Ärzte in einer ähnlichen Situation so handeln würden.
  • Die Dosis nicht erhöhen, weil er damit gegen die Überzeugung seiner Kollegen verstößt.

4. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, da er ja eigentlich gegen kein Gesetz verstößt, da er die Frau ohnehin nicht mehr retten kann und er nur ihre Schmerzen lindern will
  • Die Dosis nicht erhöhen, weil Euthanasie gesetzlich verboten ist.

5. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, weil der Arzt der einzige ist, der den Willen der Frau erfüllen kann. Die Hochachtung vor dem Willen der Frau gebietet ihm diese Handlung
  • Die Dosis nicht erhöhen, da es noch keinerlei Kriterien zur Unterscheidung von Euthanasie und Mord gibt und sich daher niemand an einem Leben vergreifen darf.

6. Stufe:

  • Die Dosis erhöhen, weil der Arzt seinem Gewissen nach handeln muss. Der Zustand der Frau rechtfertigt eine Ausnahme von der moralischen Verpflichtung Leben zu erhalten.
  • Die Dosis nicht erhöhen, weil Leben zu schützen für jedermann die höchste Pflicht sein sollte. Hat man Zweifel gegenüber Euthanasie, darf man solchen Bitten nicht nachgehen.
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